SMIX.LAB

Hörsäle sind oft karg und ziemlich hässlich. Dass es auch anders geht, zeigen die Einrichter vom Mannheimer Institut für Raumfreiheit. Für ein neues Projekt der Popakademie lebten sie ihren kreativen Gestaltungsdrang aus. Eine einfache Aufgabe war es aber nicht. Denn der kleine Raum, den es einzurichten galt, soll gleich mehrere Funktionen erfüllen. Und dann musste auch noch genetztwerkt werden. “Alles fließt”, meinten vor über 2.000 Jahren die alten griechischen Philosophen. Das ist out. Der moderne Denker weiß: “Alles ist vernetzt.” Weil Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt wurde, haben sie in Kenia Kühe geschlachtet. Weil in Mannheim zu viele Autos rumfahren, schmilzt am Nordpol das Eis. Und weil kaum noch jemand CDs kauft, hat das Institut für Raumfreiheit in der Mannheimer Hafenstraße einen Raum gestaltet.

Klingt verwirrend, ist aber schnell erklärt: Weil Musik nur noch selten im Laden als CD gekauft, sondern im Internet runtergeladen wird, gibt es an der Popakademie im Studiengang Musikbusiness einen neuen Schwerpunkt, der zum “Digital Innovation Manager” ausbildet. Auch deshalb bezog die Popakademie neue Räume in der Hafenstraße 82 im Jungbusch. Und da kommt dann das Institut für Raumfreiheit ins Spiel.

Denn die Raumdesigner haben im ersten Stock das “SMIX.LAB” eingerichtet. Das steht für “Social Music, Innovation and Experience” und wird ein “Kompetenzzentrum für das neue, digital vernetzte Musikbusiness”, wie Projektmanager Ryan Rauscher sagt. Ein kreativer Raum soll es sein, in dem nicht nur Vorlesungen gehalten werden, sondern in dem auch Platz für studentische Projekte und Forschung bleibt.

“Es war keine leichte Aufgabe, das auf 75 Quadratmeter zu verwirklichen”, sagt der Geschäftsführer vom Institut für Raumfreiheit, Torsten Ohrnberger. Doch das Ergebnis überzeugt. Alles andere als ein karger Konferenzraum ist da entstanden. Sofort fällt die Lounge-Ecke ins Auge. Auf grünem Teppich, der wie Rasen wirkt, liegen so genannte Living Stones. Das sind Sessel, die wie Felsbrocken aussehen. “Die kann man auch schnell in die Ecke werfen, wenn man Platz braucht”, erklärt Ohrnberger. Die Rücklehnen der Stühle sind in blau und grün gehalten. “Blau wie der Himmel und grün wie die Wiese”, sagt Ryan Rauscher, “der ideale Wohlfühl-Arbeitsraum.” Auch den alles verbindenden Netzwerkgedanken hat Ohrnberger mit seinem Team umgesetzt. Ein Netzwerkmuster auf der beigen Tapete verleiht dem Raum zusätzlichen Lounge- Charakter.

Torsten Ohrnberger ist zufrieden. “Es sieht jetzt schon ein wenig punkig aus”, meint er, und das sei ja genau richtig für die jungen Kreativen, die hier arbeiten werden. Auch “SMIX.LAB”-Projektmanager Ryan Rauscher ist begeistert: “Im Raum herrscht eine kreativ-produktive Arbeitsatmosphäre.” Da könnten die Studenten sich auch mal so treffen – ein produktiver Pausenraum sozusagen. Und zwar nicht nur für Popakademisten. Wenn im April offiziell eröffnet wird, soll die Tür auch anderen offen stehen. “Ich lade alle Studenten von der Mannheimer Uni und FH ein, mal vorbeizuschauen. Das sind ja alles junge, fähige Leute. Die sollen ruhig mal mit unseren Studenten Ideen austauschen.” Da ist er wieder, der Netzwerkgedanke.


Quelle: SEBASTIAN RIEMER/MEIER Stadtmagazin